Ausbinder richtig nutzen: Trainingstipps für harmonisches Pferdetraining

Im Reitsport ist die korrekte Hilfengebung das A und O für ein harmonisches Miteinander von Pferd und Reiter. Doch nicht immer gelingt es, das Pferd vom ersten Moment an in die gewünschte Haltung zu bringen oder es über den Rücken arbeiten zu lassen. Hier kommen Ausbinder Pferd ins Spiel – sie können eine wertvolle Unterstützung im Training sein, wenn sie richtig und sinnvoll eingesetzt werden. Sie dienen dazu, dem Pferd eine Anlehnung zu geben und es zu ermutigen, den Hals fallen zu lassen und über den Rücken zu schwingen. Ihr Einsatz erfordert jedoch Fachwissen und Fingerspitzengefühl, um dem Pferd nicht zu schaden, sondern es optimal zu fördern.

Ein durchdachtes Pferdetraining mit Ausbindern kann die Muskulatur des Pferdes stärken und seine Balance verbessern. Bevor Sie jedoch zum ersten Mal Ausbinder anlegen, ist es entscheidend, sich mit den verschiedenen Typen, ihrer Funktionsweise und der korrekten Verschnallung vertraut zu machen. Oft werden sie in Kombination mit einem Longiergurt Pferd verwendet, um das Pferd an der Longe zu arbeiten und so die Muskulatur ohne Reitergewicht aufzubauen.

Was sind Ausbinder und wozu dienen sie?

Ausbinder sind Hilfszügel, die eine Verbindung zwischen dem Gebiss des Pferdes und dem Sattel, Longiergurt oder der Trense herstellen. Ihr primäres Ziel ist es, dem Pferd eine Begrenzung nach oben und außen zu geben und es so zu ermutigen, den Kopf in eine tiefere, entspanntere Position zu senken und den Rücken aufzuwölben. Dies fördert die Losgelassenheit und den Aufbau der wichtigen Oberlinienmuskulatur, die für die Tragfähigkeit des Reiters unerlässlich ist.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Ausbinder keine Zwangsmittel sind, die das Pferd in eine bestimmte Haltung pressen sollen. Vielmehr bieten sie eine Orientierung und einen Rahmen, innerhalb dessen sich das Pferd bewegen und seine Balance finden kann. Ein korrekt verschnallter Ausbinder sollte dem Pferd stets die Möglichkeit geben, sich vorwärts-abwärts zu dehnen und dabei aktiv mit der Hinterhand unterzutreten. Sie sind besonders nützlich beim Longieren von jungen Pferden, um ihnen das Gefühl für die Anlehnung zu vermitteln, oder bei erfahrenen Pferden, um die Muskulatur zu lockern und zu stärken.

Verschiedene Arten von Ausbindern im Überblick

Die Auswahl des richtigen Ausbinders hängt von den individuellen Bedürfnissen des Pferdes und den Trainingszielen ab. Jedes Modell hat seine spezifischen Eigenschaften und Einsatzbereiche:

Dreieckszügel (Wiener Zügel)

Diese Ausbinder verlaufen vom Longiergurt zwischen den Vorderbeinen des Pferdes hindurch, durch die Gebissringe und werden seitlich am Longiergurt befestigt. Sie ermöglichen dem Pferd eine relativ freie Bewegung nach vorne und unten, begrenzen aber das Hochreißen des Kopfes. Sie gelten als pferdefreundlich und sind gut geeignet, um das Pferd an eine gleichmäßige Anlehnung heranzuführen und das Vorwärts-Abwärts zu fördern.

Laufferzügel

Der Laufferzügel ist ähnlich wie der Dreieckszügel konzipiert, bietet aber durch eine andere Befestigungsvariante – direkt vom Longiergurt seitlich durch die Gebissringe und zurück zum Gurt – noch mehr Freiheit in der Seitwärtsbiegung. Er ist ideal, um die Losgelassenheit zu verbessern und das Pferd an die Biegung zu gewöhnen.

Gummiausbinder

Gummiausbinder bestehen aus elastischem Material, das eine weichere und nachgiebigere Anlehnung bietet. Sie sind besonders für Pferde geeignet, die empfindlich auf feste Hilfszügel reagieren oder noch lernen müssen, sich an das Gebiss heranzudehnen. Ihre Elastizität verzeiht leichte Fehler des Pferdes und verhindert ein starres Festlegen. Sie sollten jedoch nicht zu locker verschnallt werden, da sonst der gewünschte Effekt ausbleibt.

Chambon und Gogue

Chambon und Gogue sind ebenfalls Hilfszügel, die das Pferd dazu anregen, den Kopf zu senken und über den Rücken zu arbeiten. Das Chambon wirkt hauptsächlich auf den Hinterkopf und regt das Pferd an, den Hals fallen zu lassen, ohne direkten Druck auf das Maul auszuüben. Das Gogue ist eine komplexere Variante, die sowohl auf den Hinterkopf als auch auf das Gebiss wirkt und das Pferd in eine korrekte Haltung bringt, sobald es den Kopf hebt. Beide erfordern eine sehr präzise Einstellung und sind eher für erfahrene Anwender gedacht.

Thiedemannzügel

Der Thiedemannzügel ist eine Kombination aus Martingal und Ausbinder. Er wird am Sattel befestigt und läuft durch die Gebissringe, um dann wieder an den Zügeln befestigt zu werden. Er verhindert ein zu starkes Hochreißen des Kopfes und gibt eine weiche Anlehnung. Dieser Zügel wird in der Regel beim Reiten eingesetzt.

Ausbinder richtig anpassen und verschnallen

Die korrekte Verschnallung von Ausbindern ist entscheidend für ihre Wirksamkeit und das Wohlbefinden des Pferdes. Ein falsch angelegter Ausbinder kann mehr Schaden als Nutzen anrichten.

Zunächst ist es wichtig, dass das Pferd an der Longe bereits grundlegend in Balance ist und die Kommandos für Schritt, Trab und Galopp versteht. Bevor Sie die Ausbinder anlegen, sollte das Pferd immer aufgewärmt sein. Die Länge der Ausbinder muss so eingestellt sein, dass das Pferd seinen Kopf in einer natürlichen, vorwärts-abwärts gerichteten Haltung tragen kann, ohne dass das Genick überdehnt oder das Maul eingeschnürt wird. Die Nasenlinie sollte dabei leicht vor der Senkrechten sein.

Ein guter Anhaltspunkt ist, dass die Ausbinder so lang sein sollten, dass das Pferd noch die Möglichkeit hat, sich zu dehnen und zu kauen, aber gleichzeitig eine leichte Anlehnung am Gebiss spürt. Die Ausbinder sollten nicht stramm sein, wenn das Pferd den Kopf in normaler Haltung trägt, sondern erst dann wirken, wenn es den Kopf zu hoch hebt oder sich heraushebt. Prüfen Sie immer, ob das Pferd noch frei atmen und schlucken kann. Es sollte stets eine weiche Verbindung zum Pferdemaul bestehen.

Für die Arbeit an der Longe empfiehlt sich ein gut sitzender Longiergurt Pferd, an dem die Ausbinder sicher befestigt werden können. Achten Sie darauf, dass der Gurt nicht rutscht und keine Druckstellen verursacht. Ergänzend dazu ist eine leichte Longierpeitsche ein nützliches Hilfsmittel, um das Pferd vorwärts zu treiben und die Aktivität der Hinterhand zu fördern.

Effektives Pferdetraining mit Ausbindern

Der Einsatz von Ausbindern sollte stets als Ergänzung zu einem durchdachten Trainingsplan gesehen werden, niemals als Ersatz für eine solide Grundausbildung. Beginnen Sie das Pferdetraining mit Ausbindern immer mit einer Aufwärmphase ohne Hilfszügel, um die Muskulatur des Pferdes zu lockern. Erst danach legen Sie die Ausbinder an und beginnen mit der eigentlichen Arbeit.

Variieren Sie die Gangarten und die Richtung regelmäßig. Achten Sie darauf, dass das Pferd aktiv untertritt und über den Rücken schwingt. Die Ausbinder sollen dem Pferd dabei helfen, die korrekte Haltung zu finden, aber es nicht dazu zwingen. Eine Trainingseinheit mit Ausbindern sollte nicht zu lange dauern, insbesondere bei jungen oder untrainierten Pferden. Oft genügen 15-20 Minuten konzentrierte Arbeit, gefolgt von einer Entspannungsphase ohne Ausbinder.

Beobachten Sie Ihr Pferd genau. Zeigt es Anzeichen von Stress, Verspannung oder Unbehagen, sollten die Ausbinder gelockert oder ganz abgenommen werden. Ziel ist es, dass das Pferd die Anlehnung sucht und eine konstante, weiche Verbindung zum Gebiss aufbaut. Die Arbeit an der Longe mit Ausbindern ist eine hervorragende Möglichkeit, die Kondition und Muskulatur des Pferdes zu verbessern, ohne dass es das Gewicht eines Reiters tragen muss. Denken Sie auch an den Schutz der Pferdebeine und verwenden Sie passende Bandagierunterlagen Pferd unter den Bandagen.

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

Trotz der Vorteile können Ausbinder bei falscher Anwendung kontraproduktiv sein oder sogar Schaden anrichten. Einer der häufigsten Fehler ist eine zu kurze Verschnallung. Wenn die Ausbinder zu stramm sind, wird das Pferd in eine unnatürliche Haltung gezwungen, kann den Rücken nicht aufwölben und wird sich verspannen. Dies führt zu Schmerzen, Widerstand und kann langfristig die Muskulatur schädigen.

Ein weiterer Fehler ist die Überreliance auf Ausbinder. Sie sind Hilfsmittel, keine Dauerlösung. Ein Pferd sollte lernen, sich aus eigener Kraft und Balance korrekt zu halten, nicht weil es durch Ausbinder dazu gezwungen wird. Auch die Wahl des falschen Ausbindertyps kann problematisch sein. Ein Chambon ist beispielsweise nicht für jedes Pferd und jedes Trainingsziel geeignet.

Vermeiden Sie es, Ausbinder bei Pferden einzusetzen, die noch nicht die grundlegenden Lektionen an der Longe beherrschen oder körperliche Probleme haben. Bei Unsicherheiten suchen Sie immer den Rat eines erfahrenen Trainers oder Ausbilders. Dieser kann Ihnen helfen, die richtige Art der Ausbinder zu wählen und sie korrekt einzustellen. Eine gute Longierleine gummiert bietet dabei einen sicheren Halt und verhindert, dass Ihnen die Longe aus der Hand gleitet.

Fazit: Ausbinder als sinnvolle Trainingshilfe

Richtig eingesetzt, sind Ausbinder ein wertvolles Hilfsmittel im Pferdetraining mit Ausbindern. Sie können dazu beitragen, die Muskulatur des Pferdes zu stärken, die Losgelassenheit zu fördern und eine gleichmäßige Anlehnung an das Gebiss zu vermitteln. Ob Sie einen Trensenzaum zum Reiten oder einen Longiergurt für die Bodenarbeit nutzen: Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der korrekten Auswahl, Einstellung und einem sensiblen Umgang.

Denken Sie immer daran, dass das Wohlbefinden Ihres Pferdes an erster Stelle steht. Hören Sie auf die Signale Ihres Pferdes und passen Sie das Training entsprechend an. Mit Geduld, Fachwissen und der richtigen Anwendung können Ausbinder einen positiven Beitrag zur Ausbildung und Gesunderhaltung Ihres Pferdes leisten und Ihnen helfen, ein harmonisches und leistungsbereites Reitpferd zu entwickeln.